Mittwoch, 19. Juli 2017

"snails trail" - Jetzt aber hurtig auf dem Schneckenpfad!

In diesem Jahr setze ich mich normalerweise schon in der ersten Woche eines Monats an den Nähtisch und grübele über die Farbverteilung des neuen Quilt-Blocks.  Denn es wartet doch wieder eine spannende Aufgabe des Quilt-Alongs 6 Köpfe - 12 Blöcke.
Anfang Juli war mein Nähtisch nicht mit Bastelpapieren belegt wie im Juni, aber ich lag im Krankenhaus. Nach meiner Rückkehr lief hier erst einmal alles im Schneckentempo wieder an.
Das passte ja auch ganz exakt zum Thema des Juli-Blocks - "snail's trail". Gewunden wie ein Schneckenhaus oder auch wie der Pfad einer Schnecke sieht er aus. Dörthe (lalala-patchwork) hat eine sehr sorgfältige Anleitung dazu geschrieben und auch einen Link zu möglichen Abwandlungen gezeigt.



Anfangs schwebte mir vor, gleich vier verschiedene Stofffarben zu verwenden, was ich aber am Ende verwarf, um zu einer einfachen klaren Form zurück zu kehren (das Leben verlangt gerade nach Klarheit...).
Mit meiner Version des "Pineapple"-Blocks im letzten Monat war ich nicht wirklich zufrieden.
Dörthe wies deutlich darauf hin, das Trimmen der Nahtzugaben bei jeder Runde nicht zu vergessen, woran ich mich nun gehalten habe. Ob ich das beim Nähen des "Pineapple" vergessen hatte?
Auf jeden Fall ging mir die Schnecke besser von der Hand als die Ananas...


Der zusätzliche "Log Cabin"-Block vom Juni darf hier noch mit dabei sein. Beim fertigen Quilt wandert er vielleicht auf die Rückseite (oder dient als Reserve, falls mir in den nächsten Monaten ein Block mal total daneben geht...)


Ich spiele jetzt schon ein bisschen mit den möglichen Farben für die Zwischenräume. Wie wäre es mit einem Mittelgrau?

Jahresquilts sind schon etwas ganz Besonderes. Irgendwie fließt etwas von dem Verlauf eines Jahres in ihn hinein, Erinnerungen verweben sich damit (Dass ich gern wieder eine Katze im Haus hätte, lässt sich jedenfalls an meinen bisherigen Quiltblöcken erkennen oder?).
Wenn ich so einen Quilt dann später zur Hand nehme, denke ich immer, was damals alles so passiert ist, als ich ihn nähte, zum Beispiel mein Jahresquilt von 2014,  meine beiden Sommerquilts von 2016. 

Kennt Ihr so etwas auch?


Auch der Juli hat noch Farben zu bieten, die ich in meinem Quilt verwende. Fein.





      

Dienstag, 18. Juli 2017

Mariana Leky: "Was man von hier aus sehen kann" {Bücherwelt}

Meine Neuerscheinung des Monats Juli: Skurril und durchaus tiefgründig



"Immer wieder taucht plötzlich dieses Nachbild auf, dieses eine, ganz bestimmte, es taucht auf wie ein Bildschirmschoner des Lebens, und oft dann, wenn man überhaupt nicht damit rechnet."

Es sind Metaphern und Bilder dieser Art, die man gerne mitnimmt, weshalb ich Mariana Lekys Roman "Was man von hier aus sehen kann" so genossen habe.

Mariana Leky führt ihre Leser in ein kleines Dorf im Westerwald, das von einer engen Gemeinschaft recht kauziger Einwohner bevölkert wird. Manche werden mit Namen, andere nur mit Beruf oder Verwandtschaftsverhältnis vorgestellt. Fast beiläufig entwickeln sich diese Romanfiguren zu intensiven Persönlichkeiten.

Ein Raunen geht durchs Dorf, als Selma nächtens von dem Erscheinen eines Okapis am Waldrand träumt, denn dies gilt als Zeichen, dass binnen eines Tages ein Dorfbewohner zu Tode kommt.
Doch es sind dieses Mal 29 Stunden, in denen uns die Ich-Erzählerin Luise, Selmas Enkelin, durch die Gemeinschaft führt, Persönlichkeiten und ihre Beziehungen und Geschichten kennenlernen lässt, bis der Schock durchs Dorf eilt und auch den Leser nicht unberührt lässt.

Während das Damoklesschwert des plötzlichen Ableben über dem Ort schwebt, gibt es für die möglicherweise Betroffenen einiges an Aufgeschobenem noch schnell vor Toresschluss zu klären. Kein Wunder, dass nach Ablauf der Frist die Menge der Überlebenden vor der Briefkastenleerung den Postboten bittet, ihre voreilig eingeworfenen Briefe mit Geständnissen, Entscheidungen und Lebensbeichten  wieder herauszufischen.
Ja, da tritt er zutage, der Humor, die Komik, die Skurrilität, die den Roman innig umgibt. Und auch die tiefgründige Wahrheit.

Luise, die Ich-Erzählerin erzählt die Ereignisse im Rückblick. Bei den dramatischen Folgen des Okapitraumes im ersten Teil ist sie noch ein 10jähriges Schulmädchen, im zweiten Teil  Anfang zwanzig und auf dem Weg, eine Buchhändlerin zu werden. Ihre Unbeschwertheit ging ihr verloren, sie gleitet recht haltlos durchs Leben und versucht, Entscheidungen möglichst zu umschiffen. Ihr Lebensmittelpunkt ist noch immer jenes leicht verschrobene Westerwälder Heimatdorf, in dem ihr der Mann ihres Lebens ausgerechnet als buddhistischer Mönch begegnet und gleich wieder Richtung Japan verschwindet.
Im Dorf hängt doch alles immer "wundersam zusammen", da wird auch eine Verbindung nach Japan trotz großer Entfernung gemeistert werden können.

So skurril einem diese Geschichte auch auf den ersten Blick erscheint, erzählt sie doch von menschlichen Grundthemen wie Tod und Trauer, Verlust und Neubeginn, Liebe und der Suche nach dem Sinn des Lebens und dem eigenen Weg.  Tragisches und Komisches gehen Hand in Hand.
Dabei werden scheinbar skurrile und abstruse Begebenheiten zum Alltag,
       
Was mir gefällt sind eben diese herrlichen Metaphern und Bilder. Wer kennt sie nicht, die "Verstocktheit", Sprachlosigkeit und Entscheidungsschwäche, die Luise befällt, wenn es plötzlich um die Liebe geht. Hilfreich zur Seite und nie ersetzt steht ihr da ihr Anrufbeantworter, der als Gesprächsvermeider fungiert.
Der Optiker hingegen lebt eigentlich seine Liebe, kann sie aber nur in kurzen Satzanfängen formulieren, die niedergeschrieben nach Jahrzehnten einen Koffer füllen. Ist er doch derjenige, der allen hilfreich und liebevoll zur Seite steht und handelt, wo andere dazu nicht fähig sind.
Neben allen trottet dann der riesige Hund Alaska, von Luises Vater auf Rat seines Psychiaters als Ausdruck des "eingekapselten Schmerzes" angeschafft, am Ende einem biblischen Alter entgegen.

Es lohnt, sich auf die Bilder, die ganz spezielle Stimmung und die meisterhafte Sprache einzulassen.

Hier gebe ich gern eine Leseempfehlung!

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann. DuMont Buchverlag, 320 Seiten, Juli 2017

Sonntag, 16. Juli 2017

Eye-Poetry # 07 - Die kreative Herausforderung für Juli / August


Wenn ihr gern weiter in der Sommerstimmung schweben möchtet, dürft ihr Euch gern noch kreativ an dem Gedicht von Emily Dickinson versuchen, die Verlinkung der Eye-Poetry # 06 ist noch bis zum 14.August geöffnet. 

Steht Euch der Sinn nach eher experimenteller Lyrik und Konkreter Poesie, dann habt Ihr bestimmt an der neuen Herausforderung Freude.

Die nächste Runde der Eye-Poetry hat nämlich ein Gedicht des österreichischen Lyrikers Ernst Jandl (1925 - 2000) zum Thema. In den 50er und 60er Jahren wurden die Gedichte Jandls als Provokation empfunden: "Verbalkaspar" und "Kulturrowdy" schimpfte man ihn. Doch die Literaturlandschaft der direkten Nachkriegszeit war endlich in Bewegung geraten. Ich durfte seine Gedichte dann schon im Deutschunterricht genießen. Heute ist schon Grundschulkindern "Ottos Mops" bekannt.

Jandl hat schon in jungen Jahren durch seine dichterisch tätige, früh verstorbene Mutter Kontakt mit dem literarischen Schaffensprozess bekommen. Nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland liest er heimlich mit Gleichgesinnten expressionistische Literatur, hört Jazz und kann sich nationalsozialistischer Indoktrination entziehen. 1943 wird er zur Wehrmacht eingezogen, kommt 1944 an die Front, wo es ihm gelingt mit Kameraden zu amerikanischen Truppen überzulaufen.
Nach dem Krieg studiert er Anglistik und Germanistik, wird Lehrer und wendet sich dem Schreiben zu. 1954 lässt sich Jandl von seiner Frau scheiden und lebt bis zu seinem Tod mit der Schriftstellerin Friederike Mayröcker zusammen.
Das Gedicht "bibliothek" wurde 1978 veröffentlicht und gehört somit zu Jandls Spätwerk.



bibliothek

die vielen buchstaben
die nicht aus ihren wörtern können

die vielen wörter
die nicht aus ihren sätzen können

die vielen sätze
die nicht aus ihren texten können

die vielen texte
die nicht aus ihren büchern können

die vielen bücher
mit dem vielen staub darauf

die gute putzfrau
mit dem staubwedel

ernst jandl



Die Ferienzeit hat begonnen.  Mal schauen, ob ihr es schafft, Buchstaben und Wörter aus der "Bibliothek" zu befreien und sie vielleicht im Sand der Atlantikküste, auf den Wiesen der Schweizer Berge, am  Gate 13  des Flughafens auf dem Weg nach Spanien oder einfach daheim geblieben auf dem sonnigen Balkon neue Wege beschreiten zu lassen.  

Am 15. August werde ich  nachfragen, was Euch an interessanten Ideen in den Sinn gekommen ist. Vom 15. August bis zum 14. September habt Ihr dann wieder Zeit zum Verlinken.

Hier noch einmal die Spielregeln:

Eure Möglichkeiten sind weit gefächert, je größer am Ende die Vielfalt, desto interessanter ist es doch.

* Eye Poetry - was ist damit gemeint?
"Lyrik fürs Auge" -  Literarisches für das Auge umgesetzt.

* Idee:
An jedem 16. eines Monats stelle ich ein Gedicht, ein Zitat oder ein kurzes Stück Prosa vor.
Wir haben einen Monat Zeit,  einen ganz persönlichen kreativen Weg zu finden, den Text für das Auge umzusetzen, zu interpretieren und in eine neue, eigene Form zu gießen.
Die Form ist frei. Möglich sind z.B.

- Foto, Fotoserie
- Darstellung in gemalter, gezeichneter, collagierter, gestempelter ... etc. Form
- künstlerische Installation
- Genähtes, gestricktes, gesticktes, gefilztetes etc. Objekt
- Filmchen
- ...

Es gibt keinen falschen oder richtigen Zugang, sondern nur einen ganz persönlichen.
Es geht nicht um Perfektionismus, sondern um kreatives Schaffen, Spaß, Inspiration.
Jeder wählt die Form, die ihm gerade passend erscheint, an der er Spaß hat, wofür gerade die Zeit übrig ist. Und manchmal ist dann vielleicht auch der Zufall im richtigen Moment zur Stelle.

* Vorstellung
Teilnehmen könnt Ihr mit einem eigenen Blog-Posting. Am 15. des Folgemonats verlinkt Ihr die Darstellung Eurer Ergebnisse auf meinem Blog.
(Am besten, ihr sucht für das Thumbnail-Image, das dann hier auf dem Blog erscheint, Euer Ergebnis aus).
Spannend wäre es, wenn Ihr Eure Idee und den Weg dahin schildern würdet. Am Ende sollte auf jeden Fall das  Objekt / Foto/ Bild/ ... stehen mit dem zugrunde liegenden Zitat.

Bedingung ist nur, dass es keine älteren Beiträge sind und/oder die nicht in Zusammenhang mit unserem Projekt erstellt wurden. (Kommerzielle oder Werbung tragende Links sind unerwünscht, da bitte ich um Euer Verständnis).

Gern dürft Ihr diesen Button mit auf Euren Blog nehmen:


Viel Spaß! Wir treffen uns mit unseren Ergebnissen dann hier am 15. August.

...auch nicht gesund {samstagsplausch}

"Gar nicht krank
ist auch nicht gesund."

Karl Valentin

Landkärtchen-Falter, Wespe und Fliege friedlich vereint 

Es wurde allmählich Zeit, die kleine Blogpause  zu beenden. Gestern bin ich wie versprochen mit der aktuellen Linkparty zur Eye-Poetry # 06 gestartet. Wer Lust verspürt, kann immer noch teilnehmen.

Falls Ihr jetzt auf die neue Eye-Poetry-Challenge wartet, dann müsst Ihr Euch noch ein bisschen gedulden - aber nur bis heute Abend, dann erscheint sie hier auf dem Blog um 18 Uhr.
Ich wollte doch vorher schnell noch zu  Andreas (Karminrot) Samstagsplausch eilen....

GELEGEN: leider zu viel im Krankenhaus, was mein Rücken gleich übel vermerkt hat. Und wenn mal sowieso alles schief läuft, wollte er dann auch mittun, als ich gerade wieder nach Hause durfte.

GENÄHT und GEBASTELT: wurde nichts, denn der Rücken wollte gepflegt werden.

GEHOFFT: hatte ich, dass alles glatt läuft. Aber in diesem Jahr ist einfach der Wurm drin. Wenn es mögliche Komplikationen gibt, vielleicht auch seltene, dann bekomme ich meinen Teil eben ab. (Hallo, Karma, was willst Du mir eigentlich sagen?)


GEERNTET: Chili Pimiento de Padron, um dem Leben noch etwas Würze zu verleihen. In Galicien/Spanien sagt man "os pementos de padrón, uns pican e outros non" (Paprikas aus Padrón, einige scharf, andere nicht). Die erste war jedenfalls sehr scharf, passt ja perfekt...  

GESCHWIEGEN: habe ich in den letzten Tagen viel. Kein Wunder, eines der Stimmbänder ist nach der OP gerade nicht einsatzfähig.

GEWUNDERT: hat sich die Lockenhündin  über meine Stimmveränderung. So recht mag sie sich auch nicht dran gewöhnen. Jaja, ich werde in den nächsten Wochen daran arbeiten...

nach dem großen Regen
GENOSSEN: den Ausblick aus dem Krankenhausfenster, mit Blick über die Stadt, zum See und bis zu den Alpen

GEMOCHT: die Mauersegler, die man von diesem Fenster aus beobachten konnte.

GESCHAFFT: mein Werk für die Eye Poetry # 06 . Eigentlich war es ganz anders geplant, aber ich bin am Ende einfach meinen Inspirationen gefolgt...


GEFREUT: über die feinen Karten und Mails von Birgitt, Nicole, Mano, Ghislana, Eva und Astrid. Ganz lieben Dank für Eure lieben Gedanken!

GELESEN: sehr viel -
Megan Hunter: Vom Ende an,
Natascha Wodin: Sie kam aus Mariupol
Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann (Rezension folgt)
Luise Berg-Ehlers: Berühmte Kinderbuchautorinnen... alle sehr zu empfehlen!
Schön leicht und ablenkend in öden Stunden im Krankenbett war von Sandra Regnier  Das Herz der Lilie, die mir  aber mit dem Ende den ganzen Lesespaß genommen hat.

Bis denne, heute Abend zur Eye-Poetry # 07 !