Samstag, 23. September 2017

Wer läutet morgens um sechs? {Samstagsplausch}

"Wenn es morgens um sechs Uhr an meiner Tür läutet
und ich kann sicher sein,
dass es der Milchmann ist,
dann weiß ich,
dass ich in einer Demokratie lebe."

Winston Churchill



GEDACHT: an diesem Baum hat man ja keine große Wahl. Das ist sein einziger Apfel, aber immerhin prächtig leuchtend.

GEWUSST: dass auch heute noch der Milchmann in England morgens unterwegs ist.
Schade, dass es das bei uns nicht (mehr) gibt. (Als ich ein kleines Mädchen  war, kam bei uns noch ein Milchwagen vorbei. Kennt Ihr das auch?)

GESUCHT: nach herbstlichen Schönheiten an trüben Tagen. Kein Problem, die Auswahl ist noch groß, z.B. Spinnenperlen am Zaun und neugierige Wollträger





GENERVT: dass mein Friseurtermin geplatzt ist. Aber es war endlich mal ein Anlass, mir einen anderen Friseurladen zu suchen. Seit meine Stammfriseurin in Elternzeit gegangen ist, war ich eh nicht mehr wirklich zufrieden. Aber jetzt muss mich noch eine weitere Woche gedulden.

GELAUFEN: jeden Tag mindestens 10.000 Schritte

GEMERKT: die Tage werden schnell kürzer. Ob die Abendrunde mit dem Hund zum See  oder in die Obstwiesen führt, die Dunkelheit holt uns spätestens an der Haustür ein.





GEHÖRT: eines meiner Lieblingslieder und es GEMOCHT: in dieser getanzten Version.   

GELESEN: gerade habe ich mit "Der letzte Buddha" von Marcus Braun begonnen. Zwischendurch habe ich ein bisschen in den Büchern geschmökert, die wir dem großen Lockenmädchen in die Staaten schicken.

GESEHEN: sooooo viele Pilze. Von keinem kenne ich auch nur den Namen.... (Erkennt Ihr einen von den beiden?) Fliegenpilze habe ich aber bislang noch vergeblich gesucht.





GEBACKEN: zwei Pizzaböden mit nur 1 g Hefe (dafür müssen sie halt ein paar Stunden gehen), und Psomi, ein griechisches Sesambrot

GENÄHT: nichts. Nur Jeans gekürzt und für den September-Quiltblock Stoffstückchen zugeschnitten.

GENOSSEN: endlich wieder die längste unserer Hunderunden


GELACHT: über diese "Unbequemlichkeiten" einfach herrlich...

GEKAUFT: habe ich mir aber stattdessen mal wieder ein weiteres japanisches Schüsselchen. Wieder ein anderes klassisches blaues Muster

GEFUNDEN: eine Idee für die Eye-Poetry # 09 .

GESCHAFFT: ich habe fertig. Die Eye-Poetry # 08 habe ich endlich geschafft und werde sie rasch hier auf dem Blog vorstellen. Dann versteht Ihr auch, weshalb sie etwas verspätet kommt...
Übrigens: es ist immernoch Zeit hier einzusteigen und Eure Werke zu verlinken.




Am Wochenende werde ich das Herbstpaket für die Vermonter fertig packen, damit es am Montag abgeschickt werden kann. Am Nähtisch warten bereits kleine Stoffstückchen darauf, bearbeitet zu werden. Ich habe es nämlich noch nicht geschafft, meinen September Quilt-Block zu nähen.
Ach ja, Kreuzchen machen muss ich ja auch noch.

Weitere Samstagsplauscher findet Ihr bei der anderen Andrea (Karminrot) 

Macht Euch ein schönes, buntes Herbstwochenende!

Donnerstag, 21. September 2017

Farbensammeln


Nein, kein Gedicht heute. Die Herbstgedichte kommen mir gerade alle  so melancholisch, dramatisch, gereift oder erntelastig daher.

Ich lade stattdessen lieber pralle Frühherbstfarben hier ab, die ich in den letzten beiden Tagen vom Morgen bis zum Abend sammelte.

Habt Ihr schon geschaut?
In den Gärten tummeln sich die letzten Spätsommerblumen und recken sich den rarer werdenden Sonnenstrahlen entgegen, während die Herbstblumen nochmal Buntes ins Spiel bringen, ehe sie von sich verfärbenden Laub verdrängt werden.





Seit Astrid Eugen Roths Spätsommergedicht anführte, kann ich in Herbstzeitlosen nur noch stumme, nackte Tänzerinnen sehen. (Was hast Du mir da angetan... *grins*)




Im Sonnenblumenfeld hat der Sturm gewütet. Seitdem rette ich verwachsene, niedergedrückte, sehr kleine Sonnenblümchen und überlasse die großen den anderen, die das letzte Sonnenblumenfeld zum Selberpflücken nutzen.





So viel Zartes und Feines ist am Waldrand und im Waldesinneren  noch zu finden. Wer mag da nicht an feengleiche Wesen denken?




Manch Blumenrabatte kann es noch problemlos mit der prallen Herbstdämmerung am See aufnehmen.




verlinkt bei Lottas Sammlung "Herbstliche Blumen" (Bunt ist die Welt)
und Ghislanas Naturdonnerstag

Dienstag, 19. September 2017

Sophie Divry: "Als der Teufel aus dem Badezimmer kam" {Bücherwelt}

In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, Euch jeden Monat mindestens eine Bücher-Neuerscheinung vorzustellen. Im September sind es nun zwei neue Bücher, die darum gerungen haben, welches meine Lieblingsneuerscheinung sein würde. Dieser Roman aus Frankreich hat das Ziel knapp verfehlt, obwohl er mit viel Witz und sprachlicher Kreativität daherkommt.  




Das Cover von Sophie Divrys Roman fiel mir gleich ins Auge - knallroter Umschlag und ausgestanzte Hörner mit Durchblick auf den schwarzen Bucheinband. So setzte  das Buch gleich forsch den Fuß in die Tür, denn der Titel "Als der Teufel aus dem Badezimmer kam" allein hätte mich nicht neugierig gemacht.

"Jede einzelne Biographie lässt sich gliedern wie ein Geschichtsbuch, inklusive Eiszeiten und Revolutionen." (Sophie Divry)

Der Roman findet seinen Handlungsort in Frankreich, genauer in Lyon. Das ist nicht unwichtig, denn die aktuelle gesellschaftspolitische Situation spielt eine Rolle.
"Heldin" (als solche wird sie ganz im klassischen Stil bezeichnet) der Geschichte ist Sophie, zwar reich an (Aus-)bildung, aber ansonsten arm an finanziellen Mitteln und ohne Job. Ihre Stelle als Journalistin hatte sie verloren, die Arbeiten als freie Mitarbeiterin gingen aus. Nun ist sie auf Sozialhilfe angewiesen. Doch während die Stromrechnung pünktlich eintrifft, bleibt plötzlich die staatliche Grundsicherung aus, die Bürokratie hat mal wieder zugeschlagen, es fehlt irgendeine schriftliche Bestätigung.

Sophie hat mit sechs Brüdern eine idyllische Kindheit verbracht. Ihren Brüdern ist es gelungen, sich "eine Existenz aufzubauen": Karriere, Haus, Kinder, soziales Netz, Wohlstand.   Sophie traut sich beim Familienfest nicht, sie in ihre eigene, missliche Situation einzuweihen.
Das gute, reichhaltige Essen am Familientisch verträgt sie gar nicht mehr, mittlerweile ist der Hunger in ihre kleine Behausung eingezogen.



"Wie langsam die Zeit vergeht, wenn man kein Geld hat."

Es sind diese Momente, in denen sich  Sophie nach Geschmack auf der Zunge sehnt, die letzten Euros sorgfältig für Basisnahrungsmittel verplant, Kleidungsstücke aus einer Mülltonne zieht, die einem beim Lesen beklommen schlucken lassen. Die Zahl der sozialen Kontakte ist zusammengeschrumpft, Sophie rutscht allmählich in die Isolation. Wer ihr bleibt, ist der Leidensgenosse Hector und imaginär Lorchus, ihr persönlicher Dämon, der sie in Versuchung führen möchte.

Trotzdem ist der Roman kein depressives Trauerspiel, denn Sophie lässt sich denn doch nicht entmutigen, stürzt sich tapfer in die neue (aber leider wieder frustrierende und ernüchternde) Tätigkeit als Hilfskraft in der Gastronomie und schreibt einen Roman. Genau! Den Roman, den wir gerade besprechen.

"Meine Erschöpfung zeigte mir, dass mein Körper sich wieder in das tätige Leben eingegliedert hatte, die einzige anerkannte Form von Leben, und die, die am schwersten zugänglich ist."

Die Form des Romans ist modern, mutig, experimentell, heiter. Hier sprüht die Autorin vor Einfällen, lässt viel Humor und Witz walten. Was auffällt, ist eine große sprachliche Kreativität, Lust auf Wortneuschöpfungen, Einfließen literarischer Texte und Bezüge wie z.B. Barockdichtung, Filmelemente, Internetchats und konkreter Lyrik.
Sogar eine der Romanfiguren, ihr bester Freund Hector, beginnt sich zu verselbstständigen und versucht Typographie und Handlungsablauf "seiner" Sequenzen zu bestimmen.

Den Roman  aus dem Französischen zu übersetzen war aufgrund seiner Vielzahl an Sprachspielereien und literarischen Bezüge, wie auch durch die Gebundenheit an das Sozialsystem Frankreichs gewiss kein Kinderspiel.
In Frankreich herrscht eine weitaus höhere Arbeitslosigkeit als in Deutschland. Der ganze bürokratische Ablauf und die Behörden sind natürlich andere als hier (aber bestimmt mit ähnlichen Problemen...).
Dort wurde der Roman schon für mehrere Literaturpreise nominiert, den Prix Top Virilo hat er bereits erhalten.

Ich habe ihn mit großem Interesse und Spaß an Divrys Witz und Sprachideen gelesen, aber irgendwie fehlte etwas, dass der Funke ganz überspringt, dass ich mich ganz in die "Heldin" einfühlen konnte. Ob es daran liegt, dass Vieles einfach nicht ins Deutsche übersetzt und transferiert werden kann, oder mir persönlich die Bezüge zu Frankreich fehlen?
Ansonsten ein Roman, der mal kreative, moderne Wege geht, es mit einem schwierigen Thema aufzunehmen.

Danke an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar.

Sophie Divry: Als der Teufel aus dem Badezimmer kam. (Originaltitel: Quand le diable sortit de la salle de bain)
Ullstein, Erscheinungstermin 22. September 2017

Montag, 18. September 2017

Zehn Fakten über den Schulanfang und mich

Astrids  aktuelle Linkparty auf ihrem Blog Le monde de kitchi hat diesen Monat das Thema "Schulanfang", ein feiner Anlass, mal in Erinnerungen zu kramen.

1 Da fange ich gleich mal mit einem Geständnis an: ich kann mich überhaupt nicht an meine Einschulung erinnern. In meiner Erinnerung ist nur ein großer Hund hängen geblieben, der mir damals freilaufend auf dem Weg zur Schule begegnet ist. Natürlich fand ich den Hund grandios, worüber alles andere offensichtlich nur noch nebensächlich blieb (dass mein Berufswunsch Tierärztin war, wisst Ihr ja schon lange...).  

2 Meinen Lederranzen, ein Geschenk meiner Patentante, habe ich noch vor Augen. Im Ranzen befand sich auch eine kleine Tafel, Schwämmchen und ein Griffel. Lesen haben wir gleich mit der Ganzheitsmethode gelernt. Mein Bruder, der wenige Jahre später eingeschult wurde, lernte wieder nach einer vollkommen anderen Methode lesen - eine Herausforderung für die Eltern.

3 Eigentlich bin ich kein Mensch, der sich gut Namen oder Gesichter einprägen kann, aber wie meine Erstklasslehrerin und meine erste Sitznachbarin  hießen und aussahen, weiß ich heute noch. Vor den ersten Unterrichtsstunden im Turnen graute mir, da musste man sich doch umkleiden. Ein Problem, weil ich noch keine Schleifen binden konnte. Mein Vater erfand daraufhin eine Spezialschleifenbindemethode für mich, eine andere habe ich nie gelernt. (Mittlerweile hat sie den jahrzehntelangen Praxistest überstanden und könnte vielleicht beim Patentamt angemeldet werden, hm.)

4 Meine beiden ersten Schuljahre waren Kurzschuljahre und dauerten nur vom April bis November 1966 und  Dezember bis Juli 1967. Kurz war auch mein Schulweg, den wir immer als Kindergruppe zusammen laufen konnten, ohne eine größere Straße überqueren zu müssen.

5 In der eh schon so kurzen zweiten Klasse fehlte ich gleich 43 Tage, weil ich am Herzen operiert wurde. Eine Zeit im Krankenhaus, an die ich mich noch recht genau erinnere, während die Grundschulzeit eher einem verblassten Foto gleicht. Das Versäumte scheine ich wohl recht gut aufgeholt zu haben, wenn ich mir so meine Zeugnisse anschaue. Bis auf die Handarbeit...

6 Am meisten gehasst habe ich die Handarbeitsstunden, was auch später im Mädchen-Gymnasium so blieb. Wenn die verzweifelten Handarbeitslehrerinnen von damals gewusst hätten, dass ich später Kinder und Enkel einkleiden oder Quilts nähen werde, hätten sie nur ungläubig den Kopf geschüttelt. Dafür hatte unsere neu gebaute Schule aber ein kleines, feines Schwimmbecken, wo ich im vierten Schuljahr endlich das Schwimmen lernte.

7 Obwohl ich gerne Neues lernte und am Anfang jedes neuen Schuljahres begeistert die neuen Schulbücher aufschlug, hat mich die Unterrichtsrealität immer sehr enttäuscht. Ich bin wirklich nicht gern zur Schule gegangen. Nachdem ich mein Abi in der Hand hatte, schwor ich mir, dieses Schulgebäude nie wieder  im Leben zu betreten, was ich bis heute auch nicht getan habe.

8 Natürlich habe ich zur Einschulung eine Schultüte bekommen, ein Foto im Album meiner Eltern beweist es. Die Schultüten unserer  Töchter haben wir selber gebastelt und mit kleinen, oft selbstgemachten Geschenken gefüllt. Ich sehe gerade - die Mädels trugen zur Einschulung Kleider, die ich selber genäht habe.

9 Meine älteste Tochter wurde in die neue kleine Schule eingeschult, die wir mit anderen Eltern und Lehrern gegründet hatten.

10 Die beiden jüngeren Töchter haben am ersten Schultag einen Schweizer Fellranzen bekommen. "Schulthek" heißt er übrigens dort.


Danke Astrid, für diese kleine Zeitreise!