Mittwoch, 24. Mai 2017

Mit scharfem Blick durch den Vermonter Frühling {Blickwinkel Vermont}

Im Februar haben wir zum letzten Mal auf dem Blog Nachrichten aus Vermont gelesen. Anfang April waren die Vermonter hier in Deutschland - vom Schneesturm direkt in die Blütenpracht gepurzelt. Sie hatten Glück, denn kaum waren sie wieder heimgeflogen, tobte hier bei uns der Spätwinter durchs Land. 
Jetzt übergebe ich aber Liv das Wort für heute....
   
Jetzt ist auch Frühling in Vermont !
Nach einem kühlen Start ist der Frühling hier und alles sieht wunderschön aus. Mein Ehemann sagt: “nature in Vermont doesn’t fuss around when it’s warm and rainy”. Denn der Winter kommt schnell genug wieder



Die Seen haben noch keine Algen und Wasserpflanzen und sind ganz klar. Man kann die Lieder der Red-winged black birds hören.


Biber sind nicht mehr nur in der Lodge (Biberbau) zu finden, sondern auch im Wasser, wo sie mit dem breiten Schwanz auf das Wasser aufschlagen, um andere Biber zu warnen.
Die Seetaucher rufen laut über den See.
Da findet man dann plötzlich auch ganz kleine Tiere, wenn man genau hinsieht. Und diese Woche habe ich genau hingesehen.



Red spotted newt neben Kröteneiern -



na so was, der newt isst Kröteneier? Oder sieht das nur so aus?

Unten: Löwenzahn. Sieht er von Nahem nicht noch mehr aus wie eine kleine Sonne?


Noch weiß ich nicht, was diese winzige Motte ist, sie war auf dem Birkenstamm kaum zu sehen, so gut hat sie sich farblich angepasst. Auch bei der Distel sieht man nicht immer so genau hin: Fast scheint es als fechteten die Dornen mit einander




Nein, ein schönes Tier ist der Blutegel nicht, fotografiert habe ich ihn, weil die Kinder sehen sollten wie ein Blutegel aussieht. Dann fand ich aber das Bild doch recht interessant auch wenn ich für Egel nicht viel übrig habe...


Unten eins der einzigen Tiere, dessen lateinischen Namen ich nicht ständig wieder vergesse: Bufo americanus, die amerikanische Kröte. Allerdings noch ganz ganz klein. Sie sitzt gerne in meinem Salatbeet zwischen dem Tatsoi (asiatisches Blattgemüse) und dem Rucola (auf dem Bild ist sie aber auf den Holzrand des Beetes gehüpft). In meinem Salatbeet krabbelt auch die knallrote Clover mite (Bryobia praetiosa) herum (siehe Foto), Wolfsspinne mit Eiersack und ein winziger Grashüpfer, so klein dass ich vier davon auf den Fingernagel meines kleinen Fingers setzen könnte! Wie hübsch sie sind kann man so leider nur mit Lupe oder guter Kamera sehen.





Auch die Kinder spielen mit den vielen jungen Tieren auf den umliegenden Höfen. Unten: sieben kleine Ziegen freuen sich über Besuch 


Man sieht in fast jedem Garten am Wochenende die Leute beim Säen, Pflanzen, Jäten und Gießen. Man hat hier nicht so eine lange Gartensaison. Aber trotzdem muss man die Zeit haben, die Natur in dieser kurzen Phase der Wachstumsexplosion zu genießen und genau hinzusehen. 

Vielleicht habt ihr auch Lust bekommen, genau hinzusehen und neue kleine Insekten und Arachnide zu entdecken? Viel Spaß dabei!
Grüße aus Vermont wünscht 
Liv





Samstag, 20. Mai 2017

Suppenhund {samstagsplausch}

"Dogs never bite me - just humans."

"Hunde beißen mich nie - nur Menschen."

Marilyn Monroe


GEWECKT: hat uns mitten in der Nacht vorgestern der Lockenhund, weil er merkte, dass seine Innereien durcheinander geraten waren...  Der liebe Herr Holunder wurde dafür belohnt, dass er mit dem armen Magen-Darm Hund um 3 Uhr nachts am nahen Feldrand entlang lief - mit bezaubernden Nachtigallengesang.

GESCHWITZT: die Wärme der letzten Woche ließ mich die luftigen Sommerquilts, die ich letztes Jahr genäht hatte, für das Bett hervor holen. Mit einem zarten Baumwolltuch drunter sind sie einfach perfekt.


GEPFLÜCKT:  auf der Hunderunde Wiesenbocksbart, Günsel, Ackerwitwenblume, Teufelskralle und Klappertopf (immer nur ein Exemplar und nur dort, wo sie reichlich wachsen...)
Allein der herrlichen Namen wegen, lohnt sich das Nachschlagen daheim (falls sie mir nicht gleich schon so wieder einfallen, bei der Teufelskralle war ich mir unsicher).

GEFREUT: dass sich am 15. wieder so viele und auch neue Teilnehmer an der Eye-Poetry-Challenge eingefunden haben. Anschauen lohnt sich.

GEFUNDEN: ein feines Gedicht für die Eye-Poetry #05. Habt Ihr Lust? Nur zu!

GEHABT: einen Gedankenblitz zu dem Neruda-Gedicht. Dann kann ich gleich schon beginnen.


GESEHEN: fast täglich die Berge mit Schneehauben. Da scheint ein Walnussbaum im Vordergrund zu stehen, die kämpfen nämlich immer noch mit den Folgen des Spätwintereinbruchs

GENÄHT: ein paar Sommertops für die Mädels und einen Kleiderschnitt ausgewählt

GEKAUFT: Blumen für die Kübel, Kästen und Töpfe, Bücher...

GELESEN: Christa Wolf: Kassandra (was wieder meine Griechenlandsehnsucht weckte) und die ersten Seiten von Margaret Atwood: Hexensaat (Teil des Shakespeare-Projektes. Ich werde nach dem Lesen berichten) 


GELERNT: dass die kleinen blauen und weißen Blümchen am Waldrand Hasenglöckchen sind. Ob sie wohl ausgewildert wurden? Ich hab die dumpfe Vermutung, dass hier öfters Gartenabfälle hingekippt wurden.

GEHÖRT und GEDACHT: weniger ist manchmal mehr "Boulevard of Broken Dreams" in schöner Bearbeitung

GEKOCHT: Canihua-Schokoladen-Pudding. Gesund und auch noch lecker. Ich musste dringend was für meinen Serotonin-Haushalt tun...

Ja, und was ist jetzt aus dem armen Lockenhund geworden? Der bekommt jetzt nach einer 24 Stunden Diät und homöopathischen Globuli Schonkost, z.B. die Moro'sche Möhrensuppe. Für den Menschen entwickelt, dann in Vergessenheit geraten, schließlich mit dem Umweg über die Vierbeiner als Heilmittel wiederentdeckt.
Nach einem Tag Hunger schlappt der arme Suppenhund den Napf leer (sonst eher ein Suppenkasper).

An diesem Wochenende werde ich mich mal an meine Pläne für das Neruda-Gedicht machen und ein Sommerkleid für das große Lockenmädchen nähen. Ach ja, Rucola wollte ich auch noch aussäen.

Und Ihr?

verlinkt bei Andreas Samstagsplausch

Dienstag, 16. Mai 2017

Eye - Poetry # 05 - Die kreative Herausforderung für Mai / Juni


Gestern öffnete sich die Link-Party für Eure kreativen Beiträge zur 4. Ausgabe der Eye Poetry. Wieder war ich so fasziniert über die Spannbreite der Inspirationsvarianten.
Wer noch mitten im kreativen Prozess steckt oder jetzt erst damit startet, hat noch bis zum 14.6. Zeit, sein Werk zu verlinken. Also es lohnt sich, im Lauf der nächsten Wochen immer mal wieder hinein zu schauen und zu staunen.  

Heute aber lassen wir die Stürme des Lebens hinter uns. Den Monat Mai begleitet doch ein Hauch von Romantik und Sehnsucht, somit ist er prädestiniert für ein Liebesgedicht.  Findet Ihr nicht auch?
Dazu fällt Euch doch gewiss etwas ein! Nutzt ruhig die Bandbreite der Möglichkeiten aus, egal ob ihr etwas strickt, stickt, klebt, malt, fotografiert etc..
Aber nun zum Gedicht.

Als Ricardo Eliecer Neftali Reyes Basolato wurde er in Chile 1904 geboren, Wir kennen ihn unter dem Namen Pablo Neruda, ein Pseudonym, das er als Schriftsteller wählte, um Konflikten mit Familienmitgliedern, vornehmlich seinem Vater, aus dem Weg zu gehen.
Seine Tätigkeit als Diplomat und politischer Schriftsteller, führte ihn auch nach Europa und Asien. Der Einsatz für soziale Gerechtigkeit und der Kampf gegen den Faschismus ziehen sich durch sein ganzes Lebenswerk. 1971 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Zwölf Tage nach dem Putsch Pinochets in Chile 1973 erlag er angeblich seinem Krebsleiden. Sein Haus wurde nach seinem Tod vom Militär verwüstet.

Das Gedicht "Die Königin" schrieb Neruda für seine spätere (dritte) Frau Matilde Urrutia.

Die Königin

Ich hab dich zur Königin ernannt.
Größere gibt es, größer als du.
Reinere gibt es, reiner als du.
Schönere gibt es, schöner als du.

Doch du bist die Königin.

Wenn du durch die Straßen gehst,
erkennt dich keiner.
Niemand sieht deine Krone aus Kristall, niemand schaut
den Teppich aus rotem Gold,
den jeder Schritt von dir betritt,
den Teppich, der gar nicht da ist.

Und wenn du erscheinst,
rauschen alle Flüsse
in meinem Körper auf, rütteln
die Glocken am Himmel,
und ein Hymnus erfüllt die Welt.

Nur du und ich,
nur du und ich,
meine Liebe,
hören ihn tönen.

Pablo Neruda


Bei manchen Gedichten habe ich das Gefühl, dass sie erst leben, wenn man sie laut spricht. Auch wenn Ihr des Spanischen nicht mächtig seid, ist  diese kurze Aufnahme dieses Gedichtes, in der Sprache, in der es geschrieben wurde, bestimmt sehr inspirativ.


Am 15. Juni werde ich  nachfragen, was Euch an interessanten Ideen in den Sinn gekommen ist. Vom 15. Juni bis zum 14. Juli habt Ihr dann wieder Zeit zum Verlinken.

Hier noch einmal die Spielregeln:

Eure Möglichkeiten sind weit gefächert, je größer am Ende die Vielfalt, desto interessanter ist es doch.

* Eye Poetry - was ist damit gemeint?
"Lyrik fürs Auge" -  Literarisches für das Auge umgesetzt.

* Idee:
An jedem 16. eines Monats stelle ich ein Gedicht, ein Zitat oder ein kurzes Stück Prosa vor.
Wir haben einen Monat Zeit,  einen ganz persönlichen kreativen Weg zu finden, den Text für das Auge umzusetzen, zu interpretieren und in eine neue, eigene Form zu gießen.
Die Form ist frei. Möglich sind z.B.

- Foto, Fotoserie
- Darstellung in gemalter, gezeichneter, collagierter, gestempelter ... etc. Form
- künstlerische Installation
- Genähtes, gestricktes, gesticktes, gefilztetes etc. Objekt
- Filmchen
- ...

Es gibt keinen falschen oder richtigen Zugang, sondern nur einen ganz persönlichen.
Es geht nicht um Perfektionismus, sondern um kreatives Schaffen, Spaß, Inspiration.
Jeder wählt die Form, die ihm gerade passend erscheint, an der er Spaß hat, wofür gerade die Zeit übrig ist. Und manchmal ist dann vielleicht auch der Zufall im richtigen Moment zur Stelle.

* Vorstellung
Teilnehmen könnt Ihr mit einem eigenen Blog-Posting. Am 15. des Folgemonats verlinkt Ihr die Darstellung Eurer Ergebnisse auf meinem Blog.
(Am besten, ihr sucht für das Thumbnail-Image, das dann hier auf dem Blog erscheint, Euer Ergebnis aus).
Spannend wäre es, wenn Ihr Eure Idee und den Weg dahin schildern würdet. Am Ende sollte auf jeden Fall das  Objekt / Foto/ Bild/ ... stehen mit dem zugrunde liegenden Zitat.

Bedingung ist nur, dass es keine älteren Beiträge sind und/oder die nicht in Zusammenhang mit unserem Projekt erstellt wurden. (Kommerzielle oder Werbung tragende Links sind unerwünscht, da bitte ich um Euer Verständnis).

Gern dürft Ihr diesen Button mit auf Euren Blog nehmen:


Viel Spaß! Wir treffen uns mit unseren Ergebnissen dann hier am 15. Juni wieder!

Sonntag, 14. Mai 2017

Eye - Poetry # 04: Zeigt doch mal her!


Da hat uns Murakamis Sandsturm jetzt bis zum 15. Mai geweht. Manch einer hat sich vielleicht ein bisschen schwer mit dem Textauszug getan. Einem anderen ist es eventuell sehr nahe gegangen. Es kommt immer darauf an, wieviel man zulassen kann und möchte.
Ich bin auf jeden Fall ungemein gespannt auf Eure Einfälle und Umsetzungen!
(Und ab morgen gibt es ein neues, entspannteres Thema...).

Wer sich nicht mehr erinnern kann, worum es geht, schaut hier gern bei der Aufgabenstellung der Eye Poetry noch einmal nach.

"Hin und wieder hat das Schicksal Ähnlichkeit mit einem örtlichen Sandsturm, der unablässig die Richtung wechselt. Sobald du deine Laufrichtung änderst, um ihm auszuweichen, ändert auch der Sturm seine Richtung, um dir zu folgen. [...]


Und wenn der Sandsturm vorüber ist, wirst du kaum begreifen können, wie du ihn durchquert und überlebt hast. Du wirst auch nicht sicher sein, ob er wirklich vorüber ist. Nur eins ist sicher. Derjenige, der aus dem Sandsturm kommt, ist nicht mehr derjenige, der durch ihn hindurchgegangen ist. Darin liegt der Sinn eines Sandsturms."

Haruki Murakami ("Kafka am Strand")


Dieses Mal habe ich ganz bewusst eine Technik ausgewählt, die ich eigentlich sonst überhaupt nicht benutze, nämlich die Collage.  Eine Aufgabe, die ich erst einmal vor mir hergeschoben habe.... Am liebsten hätte ich eine Choreographie zu dem Thema geschrieben, vielleicht ist es mir gelungen, sie in die Collage einfließen zu lassen? Auf jeden Fall war es für mich eine gewisse Herausforderung.
Mein Mantra war immer ein Zitat aus meinen "Spielregeln": Es gibt keinen falschen oder richtigen Zugang, sondern nur einen ganz persönlichen. 
Da ich den Roman Murakamis gerade erst wieder frisch gelesen hatte, flatterten natürlich Motive daraus, die mich bewegt haben, mit in die Collage, aber eher zufällig und nur wenn sie sich in mein Thema einfügten.   

Eine Interpretation unterlasse ich. Momentan habe ich das Gefühl, inmitten eines solchen Sandsturms zu stehen und zu hoffen, heil und gesund wieder heraus zu kommen... 

Idee: Versuch ganz intuitiv Ausschnitte zu sammeln. Nicht bewusst nach Motiven aus dem Roman suchen, zulassen, wenn sie mit hinein möchten.  Innere Bilder bestimmen lassen.   
Medium: Ausschnitte aus Atlas (Blatt Japan), Zeitschriften, Büchern, Karten; Wassermalfarben für den Hintergrund, Pastellstifte, Tintenzeichner





Aber jetzt seid Ihr an der Reihe. Was ist Euch zu diesem Textauszug eingefallen? Wie war Eure Vorgangsweise? Wie habt Ihr Euch dabei gefühlt?

Falls Ihr Probleme beim Verlinken haben solltet, schreibt bitte den Link in Euren Kommentar, so dass ich versuchen kann, hilfreich einzugreifen.


Hier geht es zur Verlinkung: (bitte beachten - der jüngste Beitrag wird immer zuoberst aufgeführt) : 

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