Sonntag, 24. Juli 2016

Sonntagssplitter # 28

"Das Misstrauen gegenüber dem Witz ist der Anfang der Tyrannei."

Edward Abbey (1927 - 1989)


Geschnitten: Bunte Gladiolen und mich wie in einem Farbbad gefühlt

Geschaut: Auf der Freilichtbühne des Konstanzer Stadttheaters die Aufführung einer Theaterfassung von Ecos "Der Name der Rose" und dabei
Gedacht: das wir uns leider noch gar nicht so weit vom Mittelalter entfernt haben.


Gemerkt: dass in diesem Topf nicht wie geglaubt mein eingesätes Salzkraut wächst, sondern Jungfer im Grünen (hat beim vorsichtigen Kosten auch gar nicht salzig geschmeckt)

Geplant: kleine Schildchen für Aussaattöpfe...


Gejagt: hinter Schmetterlingen her, aber nur mit der Kamera

Gestaunt: beim Betrachten der Fotos am PC, wer sich alles so ins Bild mit hinein geschmuggelt hat.


Gelacht: als ich eine Hummel beim dreisten Einbruchsdiebstahl ertappte. (Schaut genau hin, die Hummel hat sich ihren Weg zum Nektar frech freigebissen, ohne die Bestäubungsarbeit zu leisten. Sowas...  Ohne Mr. Goulson hätte ich nicht gewusst, was hier gerade geschieht.
Lesen lohnt...)


Gehört: das laute Geklapper der Störche.


Gefreut: unsere Aubergine blüht endlich!



Genossen: das goldene Abendsonnenlicht


Getrauert: um die Opfer von München und ihre Angehörigen und um jene Menschen, denen nun Verfolgung, Lynchjustiz, Tod und Tyrannei in der Türkei droht.



"Men come and go, cities rise and fall,
whole civilizations appear and disappear -
the earth remains slightly modified.
The earth remains, and the heartbreaking beauty
where there are no hearts to break...
I sometimes choose to think,
no doubt perversely,
that man is a dream,
thought an illusion,
and only rock is real.
Rock and sun."

Edward Abbey (1927 - 1989)


Samstag, 23. Juli 2016

Abendspie(ge)l nach blauem Tag

Man wird so schnell eingeholt von der grausamen Realität.
Darf man angesichts von den derzeitigen furchtbaren Ereignissen noch - wenngleich nur scheinbar unbeschwert - beobachtend zum blauen Himmel hinauf schauen? Man darf nicht.
Man muss.

Spiegelnde Wasserflächen ziehen mich immer wieder an. Deshalb dachte ich hier gleich an die ganz frische Idee, vor dem Konstanzer Konzilgebäude einen Spiegelbrunnen zu errichten. Solch ein Wasserkunstwerk fände ich genial und hoffe, dass sich der Plan in der Stadtpolitik durchsetzen wird. Diese Wasserspiegelfläche hier war günstig zu haben und hat nur einen oder zwei ergiebige Sommerregentage gekostet (gerade wird er wohl wieder aufgefrischt).



Von Nahen wie von Weitem ist das sehr stimmungsvoll. Das Wolkenband gleitet dabei in abendlicher Gelassenheit darüber hinweg.


Diese Wolken kamen mir schon eher bedrohlich vor, aber sie bescherten nur der anderen Seeseite Regen.


Der abendliche Blick über Radolfzell hinweg zu den Hegauvulkanen hat fast schon etwas Mystisches (oder hab ich einfach mal wieder zuviel Fantasie?)


Der Blick zurück zeigt, dass ich, in mystischen Gedanken versunken, mit scharfen Raubvogelaugen vom toten Baum aus beobachtet wurde.


Wenn man dann ein bisschen Glück hat, wird bei Sonnenuntergang der Säntis in einen rosa Schleierhauch gehüllt. Da hängt man sich dann notfalls eben aus dem Seitenfenster des Autos raus. Denn leider stehe ich in solchen Momenten nie auf den Hügeln oder auf den Booten, von denen man dann grandiose Fotos machen kann.


Ein blauer Tag

Ein blauer Tag 
Nichts Böses kann dir kommen
an einem blauen Tag.

Ein blauer Tag
Die Kriegserklärung
Die Blumen öffnen ihr Nein
Die Vögel sangen Nein
Ein König weinte
Niemand konnte es glauben
Ein blauer Tag
Und doch war Krieg   

Gestorben wird auch an blauen Tagen
bei jedem Wetter
Auch an blauen Tagen wirst du verlassen
und verlässt du
begnadigst nicht
und wirst nicht begnadigt
Auch an blauen Tagen 
wird nichts zurückgenommen
Niemand kann es glauben:
Auch an blauen Tagen
bricht das Herz.

Hilde Domin


verlinkt bei Katjas samstäglicher Himmelsrunde.

Freitag, 22. Juli 2016

Spontane Grenzerfahrungen

Schreibe  ich heute dreist gegen den Trend? Alle Welt schimpft auf die Briten und ihren Entschluss zum "Brexit";  man wünscht sich eine starke EU und verwünscht eurokratische Bürokratie und das Lobbyistentum.
Grund genug gibt es allerdings dazu.
Trotzdem genieße ich es, direkt an einer Grenze zu wohnen. Noch dazu an einer zu einem Nicht-EU-Land.
Deshalb schaue ich schnell mal hinüber und herüber und lasse ein paar Gedanken, ganz ungeordnet, ungefiltert und bestimmt oberflächlich heraus schlüpfen.

Der Blick hinüber in die Schweiz geht rasch von statten. Ich brauche nur runter zum See zu laufen...
Aber auch wenn sie am anderen Ufer Deutsch sprechen (okay, Mundart, aber die verstehe ich ja), so haben sie ihre eigene, andere Geschichte, Traditionen, Gepflogenheiten, Gebräuche, Regeln, Eigenarten etc., ihren Stolz auf ihr Land und alles was dazu gehört.
Das ist auch gut so.
Natürlich pflegen sie genauso ihre Nachlässigkeiten, Fehler und Schattenseiten. Schweizerische halt.


Mancher Tourist, der Konstanz besuchen wollte, stand schon plötzlich und ungewollt an der Grenze zur Schweiz, die in fußläufiger Altstadtnähe verläuft.
Heute brauche ich, dank des Schengen Abkommens nicht mehr meinen Perso zu zücken, wenn ich schnell mal drüben tanken oder ins Fitness gehen möchte.
Hat man geschäftlich dort drüben zu tun und muss z.B. Werkzeug über die Grenze mitnehmen, dann wird es allerdings ziemlich mühselig.

(Ich erinnere mich noch aus meiner Zeit als junge Mutter im Studentenalter an eine Kontrolle beim Grenzübertritt, als ich dem Zöllner ganz treu und brav erzählte, was ich in der Schweiz gekauft hatte: "Stoff". Aus irgendeinem Grund wurde er ziemlich unwirsch, bis er mir abnahm, dass ich tatsächlich nur Stoff zum Nähen und nicht zum Drogengenuss erworben hatte oder ihn veräpplen wollte...)

Einkaufen in der Schweiz fand ich schon immer toll, wobei das Vergnügen mittlerweile ein teures geworden ist. Man findet gänzlich andere Produkte und Marken. Dass jetzt sogar Alnatura-Produkte die Migros erobern, wundert mich eher (und manchen Schweizer ebenso) . Das typische Schweizer Angebot ist es doch, weshalb ich in die Migros komme. Letztens wurde ich beim kleinen verschlafenen Reformlädeli fündig, wonach ich in Deutschland, selbst im Internet vergeblich gesucht hatte.  

Durch den günstigen Wechselkurs und die Mehrwertsteuererstattung angelockt, lernen unsere lieben Schweizer Nachbarn die deutschen Grenzregionen auch endlich einmal kennen. Vor dieser Zeit schienen sie keine große Lust zu haben, hier auf Entdeckungstour zu gehen.
Der Schweizer Einzelhandel steht dem Einkaufstourismus natürlich eher reserviert gegenüber. Die paar Düütschen, die trotzdem noch in der Migros shoppen, schaffen den Ausgleich natürlich nicht.



Grenzüberschreitend ist allerdings auch das Handynetz. Wie oft stehe ich auf einer Hunderunde im Wald auf dem (deutschen) Bodanrück und mein Handy teilt mir mit, dass ich im Schweizer Netz hänge. Leider ist das Handynetz auch der Meinung, mein heimischer Hausflur gehöre zur Schweiz, während die Küche in Deutschland liegt.
Dafür versorgt mich die Telekom noch weit bis Kreuzlingen/CH hinein, was evtl. manchen Schweizer nerven mag.



Auffällig ist es, wie liebevoll die Schweizer ihre alten Gebäude, wie z.B. die Riegelhäuser (hochdeutsch: Fachwerkhäuser)  pflegen. Auf der deutschen Seite sehe ich viele Bauernhäuser so lange verrotten, bis man sie endlich abreißen darf.

Fahre ich durchs Schweizer Hinterland sehe ich kleine Bauernhöfe und Kühe auf der Weide. Seid froh, denke ich, wärt ihr in der EU, würde eurer Idylle schnell der Garaus gemacht. Ja, ich bin wahrlich kein Freund der Agrar-Industrie und ihrer Folgen für die Natur und die bäuerliche Landwirtschaft.


Eigentlich ist die Nachbarschaft zur Schweiz allgegenwärtig. Wir hören morgens im Bad und im Auto Schweizer Radiosender, haben Schweizer Schulen von innen kennengelernt, sogar unsere Hunde haben ausschließlich Schweizer Hundeschulen besucht, fahren mehrmals in der Woche aus privaten und beruflichen Gründen über die Grenze u.v.m.

Jedes Mal wenn ich mich mal wieder aus der EU schleiche, denke ich, wie wichtig gerade auch für ein friedliches Europa die Pflege der individuellen Eigenarten der einzelnen Länder, die Pflege von Natur- und Kulturraum ist.
Und ich glaube, wäre ich die Schweiz, würde ich mir die Entwicklung auch erst mal lieber von außen angucken.
(Keine Sorge. Ich setze immer noch voller Hoffnung auf ein geeintes Europa. Aber nicht mehr so kritiklos und enthusiastisch wie in jungen Jahren.)

Sonntag, 17. Juli 2016

Sonntagssplitter # 27

"In der ganzen Welt ist jeder Politiker 
sehr für Revolution, für Vernunft und Niederlegung der Waffen, 
- nur beim Feind, 
ja nicht bei sich selbst."

Hermann Hesse (1877 - 1962)


Gepicknickt: ganz, ganz früh am Morgen auf der Mainau mit Herrn Holunder

Genäht: den zweiten Quilt fertiggestellt und zwei Kindertuniken für den Herbst

Gepflückt und geschnitten: Gladiolen vom Feld, Sommerwiesenblumen, eigenen Pflücksalat

Gehört: viele Nachrichtensendungen und Kommentare im Radio



Gekauft: eine neue Sommerjacke binnen fünf Minuten und ein paar Stoffe für die Herbstsaison

Gesucht: Maranta-Tapioka-Stärkemehl, das mein neues veganes Eisbuch verlangt, und
Gefunden: dasselbige in der Schweiz
Gefragt: was man macht, wenn man nicht direkt an der Schweizer Grenze wohnt...

Geärgert: über den Regen und den Kälteeinbruch, deshalb
Geheizt: mit dem Kamin

Gestaunt: über den Schneefall in den Alpen